Interview mit Anja Hilling 3
In deinem Stück gibt es eine Rolle, die in der Besetzung erstmal nicht auftaucht, doch im Verlauf des Stücks immer mehr die Handlung bestimmt: der Park. Auch wenn er keinen Namen trägt, kennen wir einige Bezugspunkte aus München. Was ist dieser Ort für dich?
Der Park trägt wie die Figuren auch zwei Seiten in sich, er ist Natur und Stadt, offen und begrenzt, dunkel und gepflegt. Das Stück versucht, den Park von seiner Selbstverständlichkeit zu befreien. Zunächst Hintergrund, einfach da, der Ort, wo man halt grad ist, arbeiten, feiern, durchlaufen wollte, wird der Park, seine Vegetation, Geräusche immer deutlicher, bis er schließlich nicht mehr rauszuhalten ist aus den Figuren, Teil von ihnen geworden ist.
Der Sturm, der in der Mitte des Stücks liegt (und die Begegnungen doch in ein »Davor» und ein «Danach« teilt) zerstört den Park und setzt ihn frei. Klar kann man das auch auf die Figuren übertragen. Der Park aber ist zusätzlich Vermittler der Katastrophe, gibt ihr eine Stimme. Jetzt, nach dem Sturm in ihm zu sein, zu bleiben, heißt zuzugeben: Der Ort hatte immer mehr Wildnis, als man wahrhaben wollte.
Und München … ich bin hier großgeworden, bei meiner Mutter, hab zwanzig Jahre in der Stadt gelebt. Der Park in dem Stück kann überall sein, aber es kann auch der Englische Garten sein. Ich kenn ihn von früher, hab Nachmittage hier verbracht, auch Nächte, war allein hier, mit anderen, man kann sich verirren hier, Ecken finden, die man noch nicht kannte, die was Mysteriöses haben, ein Geheimnis, mitten in der Stadt.