Heinrich Mann

Geboren am 27. März 1871 in Lübeck, verließ Heinrich Mann noch vor dem Abitur das Gymnasium, um in Dresden eine Buchhandelslehre zu beginnen. Sein Wunsch, Schriftsteller zu werden, wurde von seinem Vater jedoch abgelehnt. Nach dessen Tod 1891 und der Liquidierung der Lübecker Firma zog die Familie 1893 nach München. Von dort aus unternahm Heinrich Mann mehrere Reisen und lebte zeitweise in Italien und Frankreich.
Sein bekanntes Frühwerk «Professor Unrat oder das Ende eines Tyrannen» entstand 1904 und erschien ein Jahr später. 1914 heiratete er die Prager Schauspielerin Maria Kanová. Wohnsitz wurde erneut München. Die gemeinsame Tochter Leonie blieb das einzige Kind Heinrich Manns.
Sein erfolgreichstes Werk «Der Untertan» vollendete er bereits 1914, aber der Kriegsbeginn verhinderte die Veröffentlichung, weshalb es erst 1918 erschien. Nach der Trennung von seiner ersten Ehefrau, auf die 1930 die Scheidung folgen sollte, zog Mann 1928 nach Berlin. Hier lernte er seine spätere zweite Ehefrau Nelly Kröger kennen.
Wegen seinem politischen Engagement gegen die aufstrebenden Nationalsozialisten musste er Deutschland unmittelbar nach der Reichstagswahl 1933 verlassen und emigrierte zunächst nach Frankreich, wo er bis 1940 lebte. Hier verfasste er den zweibändigen historischen Roman über den König «Henri Quatre». Nach der Kapitulation Frankreichs 1940 floh er gemeinsam mit seiner Frau Nelly, seinem Neffen Golo Mann und dem Ehepaar Feuchtwanger 1940 über Spanien und Portugal in die USA. Das Land und dessen Kultur blieben ihm fremd, nicht zuletzt weil sich seine Frau Nelly hier das Leben nahm. Unmittelbar vor seiner Rückkehr nach Deutschland starb Heinrich Mann 1950 in Santa Monica und wurde dort begraben. 1961 wurde seine Urne in die DDR überführt und auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof in Ostberlin beigesetzt.
THOMAS ÜBER HEINRICH MANN
Du, lieber Heinrich, hast diese neue Situation des Geistes früher durchschaut und erfasst als wohl wir alle; du hast das Wort «Demokratie» gesprochen, als wir alle noch wenig damit anzufangen wussten, und die Totalität des Menschlichen, die das Politische einschließt, in Werken verkündet, die vornehmste Kunst und Prophetie sind in einem. Empfinden wir nicht Bücher wie den «Untertan» heute als vollendete Prophetie? Wenn Genie Vorwegnahme ist, Vorgesicht, die leidenschaftliche Gestaltung kommender Dinge, dann trägt dein Werk den Stempel des Genialen, und über seine Schönheitswagnisse hinaus ist es ein moralisches Phänomen.
Thomas Mann, 2. Mai 1941
Heinrich (links) und Thomas Mann um 1900 (Bayerische Staatsbibliothek München/Porträtsammlung)



