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25.09.2026
Ewald Palmetshofer

Interview mit Philipp Stölzl

Du verortest deine Inszenierung spielerisch und ästhetisch ja auch in einer Art historischen Jahrmarkts-, Bänkelsänger- und Schaustellerwelt. Dieser Kosmos hat Brechts Theaterverständnis – nicht nur hinsichtlich der »Dreigroschenoper« – nachhaltig beeinflusst. Was fasziniert dich an dieser besonderen Welt? Ermöglicht sie Räume, sich auch dem Düsteren, Rohen und der Gewalt des Stoffes zu nähern?

Mein Vater war in den 80er-Jahren Direktor des Münchner Stadtmuseums, wo es eine tolle Abteilung für Puppentheater und Schaustellerei gibt. Ich bin quasi als staunendes Kind in dieser Wunderkammer aufgewachsen, die hat mich nie mehr losgelassen. Der junge Augsburger Brecht, Karl Valentin, die legendäre Schichtl-Dynastie mit ihren Miniatur-Seeschlachten und gespielten »Hinrichtungen« – das ist ein faszinierendes Universum, in dem sich die Dinge aufeinander beziehen und mischen. So wie Brechts und Valentins Film »Mysterien eines Frisiersalons« auch große Buñuel-Kunst ist, ist die »Dreigroschenoper« eben auch kantige Jahrmarktsunterhaltung, die man ohne Weiteres in einem verschimmelten Zelt am Oktoberfest vor angetrunkenen Wiesenbesucher*innen spielen könnte. Diese Mixtur öffnet dann genau die Räume, von denen du sprichst: In der Groteske und mit der Spielprämisse des Jahrmarkttheaters wird Brechts Verfremdungseffekt sofort spielerisch, absurd, wild und löst sich aus der trockenen Theatertheorie. Und die zynisch-brutale Sicht auf die Menschen wird zum grausigen Vergnügen.

Im Stück staffieren Herr und Frau Peachum bedürftige Menschen als versehrte Bettler*innen aus. In deiner Inszenierung verstärkst du den Charakter des Ausstaffierens, indem du ganz besondere Puppen einsetzt. Um welche Puppen handelt es sich dabei?

Unsere Puppen sind sogenannte Kaukautzky-Puppen, die sich die Spielenden umhängen; der Kopf bleibt dabei real, den Körper bildet die grotesk kleine Puppe. Diese Puppenform habe ich tatsächlich zum ersten Mal in einem Buch über die Schichtls gesehen, die ja auch viel mit verschiedenen Puppen gearbeitet haben. Ich habe generell Freude an jeder Art von »Theaterzauber«. Irgendwo habe ich gelesen, dass die Zuschauer*innen vor allem zwei Dinge erwarten: Illusion und Emotion. Darin kann ich mich als Theatermacher voll wiederfinden. Was die »Dreigroschenoper« betrifft, sind die Puppen bei der Darstellung von »Armut« auch ein künstlerischer Kniff, um die heikle Frage, wie man Bettler*innen auf der Bühne eines Staatstheaters darstellen könnte, spielerisch zu beantworten.