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21.11.2025
Katrin Michaels

Zum Stück «Die Ärztin»

Dramaturgin Katrin Michaels schreibt über Arthur Schnitzlers Bearbeitung von «Professor Bernhardi» durch den britischen Autor und Regisseur Robert Icke

Der britische Autor und Regisseur Robert Icke bearbeitete Arthur Schnitzlers «Professor Bernhardi» für seine eigene Produktion 2019 am Almeida Theatre in London. Bei den Evening Standard Theatre Awards 2019 wurde er dafür als bester Regisseur ausgezeichnet, die Hauptdarstellerin Juliet Stevenson mit dem Critics Circle Theatre Award als beste Schauspielerin, beide erhielten Nominierungen für den wichtigsten britischen Theaterpreis, den Laurence Olivier Award 2020. Im folgenden Jahr war die Produktion beim Adelaide Festival in Australien zu sehen. Eine Übernahme ins Londoner West End erfolgte 2022. Am Internationaal Theater Amsterdam (2021) und am Wiener Burgtheater (2022) brachte dasselbe künstlerische Team Adaptionen in der jeweiligen Landessprache und mit den Ensembles der jeweiligen Häuser heraus.

Robert Icke, «Die Ärztin»
Wen brauche ich, wenn jemand gestorben ist?

Die Grundsituation des Stücks ist dieselbe wie 1912 bei Arthur Schnitzler: Ein Priester verlangt zu einer Patientin vorgelassen zu werden, die nach einem missglückten heimlichen Schwangerschaftsabbruch in Lebensgefahr schwebt – der Professor bzw. die Ärztin untersagt dies, woraufhin eine öffentliche Debatte über den Interessenskonflikt entsteht. Doch geht es hier wirklich nur um diesen Vorfall oder ist er bloßer Aufhänger eines schwelenden Verteilungskampfs im Kollegium des Instituts? Während sich der Fall bei Schnitzler nach und nach als antisemitische Intrige entpuppt, macht es Robert Icke seinem Publikum schwerer, sich für eine Seite zu entscheiden.