Über «Beton»

Der österreichische Schriftsteller Thomas Bernhard (1931-1989) schrieb den Roman «Beton» – wie er notiert «in einem Zug» – im Januar 1982. Zu dieser Zeit erlebte Bernhard einen Höhepunkt seiner Produktivität und seines Erfolgs, sowohl als Prosa- als auch als Theaterautor. Gleich nach seinem Erscheinen führte das Buch die Bestenliste der Wochenzeitschrift Die Zeit an. Wie viele Werke Thomas Bernhards verarbeitet er darin einige autobiografische Bezüge – seine Krankengeschichte als Morbus Boeck-Patient, die Lebensumstände von Familienmitgliedern, seine Sicht auf sein Heimatland Österreich. Auch die Insel Mallorca war ein häufiger Aufenthalts- und Sehnsuchtsort Bernhards. Die Begegnung, die er am Ende des Romans schildert, geht auf eine reale Begebenheit zurück.
Anlässlich seines 50. Geburtstags filmte die ORF-Journalistin Krista Fleischmann 1980/1981 mit ihm mehrere Interviews, die «Monologe auf Mallorca». Rückblickend schrieb er ihr: «Ich habe alles so beschrieben, wie wir es damals erlebt haben. Aber – Sie wissen es ja – wichtig ist nicht, WAS man schreibt, sondern WIE man es schreibt. Mir geht es um Kunst, um eine sogenannte musikalische Form, was immer das ist.» Bernhard erhielt schon als Kind Geigenunterricht, später studierte er Schauspiel und Gesang und strebte zeitweilig eine Karriere als Opernsänger an. Auch als Schriftsteller blieb Musik sein «Lieblingsthema», mit dem sich auch zahlreiche seiner Figuren befassen. Im wirklichen Leben war sein Lieblingskomponist jedoch nicht, wie in «Beton», Felix Mendelssohn Bartholdy, sondern Béla Bartók. Auf dem Plattenspieler, der in keiner seiner Wohnungen fehlen durfte, war auch nicht nur Klassisches zu hören. Wie sein Halbbruder berichtet, habe er zum Beispiel auch gern Alben von Prince aufgelegt. Der in «Beton» beschworene reine Geistesmensch ist wohl nicht in jeder Hinsicht ein genaues Abbild seines Autors.



