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25.09.2026
Ewald Palmetshofer

Interview mit Philipp Stölzl

Brecht hat sich immer wieder gegen das, was er »Einfühlungsdramatik« nennt, ausgesprochen. Die Figuren seiner »Dreigroschenoper« sind jedoch keineswegs bloße Vertreter*innen von Thesen, sondern weisen ein breites Gefühlsspektrum auf. Du nimmst die psychologische Tiefe der Figuren in deiner Inszenierung sehr erst. Hat dich diese Tiefe überrascht? Wie gehst Du damit um?

Diese abwertende Geste kommt bei Brecht wahrscheinlich aus der Abgrenzung zum »alten« Theater der Schnitzlers, Hauptmanns etc. Aber wenn man sein Werk betrachtet – auch die Gedichte –, ist da sehr viel Gefühl und Eros. Und man findet eine ziemlich illusionslose Sicht auf die Halbwertszeit der Liebe. Sie »dauert oder dauert nicht«, wie es in der »Dreigroschenoper« heißt. Mein Gefühl beim Inszenieren war: Die verschiedenen Liebesgeschichten sind wie eine melancholische Unterströmung der Geschichte. Wenn es uns gelingt, das spürbar tief zu erzählen, entsteht ein Gegengewicht zum albernen Humor und der zynischen, kühlen Gesellschaftskritik des Stücks. Für die Spielenden liegt die Herausforderung darin, diese vielen Brüche glaubwürdig darzustellen. Die »Dreigroschenoper« gilt unter Theaterleuten als »schweres Stück« – da ist sicher was dran.