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25.09.2026

Mit Hoffnung leben

Stimmen von Klimaaktivist*innen, die Mut machen

 

»So viele Erzählungen malen ein tiefschwarzes Bild vom unausweichlichen Sterben der Zivilisation, der Menschheit, ja allen Lebens. Dieses apokalyptische Denken beruht auf einem narrativen Versagen: der Unfähigkeit, sich eine Welt vorzustellen, die anders ist als die, in der wir heute leben.«

- Rebecca Solnit

 

 

»Wer über historisches Vorstellungsvermögen verfügt, wird dagegen verstehen, dass sich pausenlos alles verändert. Man muss nur in die Vergangenheit schauen und sieht eine Welt, die noch vor fünfzig Jahren dramatisch anders und vor einem Jahrhundert unfassbar anders.«

- Rebecca Solnit 

 

 

»Es gibt kein ›danach‹, wo die Dinge tatsächlich klar und unkompliziert sind. Eine zukünftige ökologische Gesellschaft wird ein bisschen improvisiert, kaputt, langsam, ironisch, albern und traurig sein. Ja, traurig, wie es Sally Sparrow in der Fernsehserie Doctor Who sagt: Für tiefgründige Menschen heißt traurig froh. In diesem Sinne ist auch Schönheit traurig. Es gibt etwas, dass sich einfach nicht festnageln lässt.«

- Timothy Morton

 

»Egal wie heiß es wird, egal wie vollständig der Klimawandel den Planeten und die Art und Weise, wie wir in ihm leben, verändert, das nächste Jahrzehnt wird auf jeden Fall mehr Erwärmung und mehr Leid oder weniger Erwärmung und weniger Leid bringen. Wie viel, hängt von uns ab und wird es auch in Zukunft tun.«

- David Wallace-Wells

 

 

»Unabhängig davon, wie groß unsere wirklich beeindruckenden Reserven an Einfallsreichtum und Resilienz sind, unabhängig von Raumanzügen, die Kostümdesigner*innen für das Leben auf dem Mars entwerfen, unabhängig von Google-Managern, die versuchen ihr Bewusstsein in die Cloud hochzuladen, können und werden wir den Einschränkungen nicht entkommen, die die Parameter unserer menschlichen Existenz darstellen, wie zum Beispiel unser Bedürfnis nach Wasser, Nahrung, Luft, Schutz und Liebe.«

- Maggie Nelson

 

 

 

 

»Die Aufgabe besteht nun darin, reagieren zu können, und zwar gemeinsam und in unserer je unbescheidenen Art. Aufgewirbelte Zeiten quellen über vor Schmerz und Freude, vor sehr ungerechten Mustern von Schmerz und Freude, vor sinnlosem Abtöten, aber auch vor unerlässlicher Wiederbelebung. Die Aufgabe besteht darin, sich entlang erfinderischer Linien Verbindungslinien verwandt zu machen.«

- Donna Harraway

 

 

 

»Mit Hoffnung zu leben in einer Welt, die entschlossen scheint, sich eine Klippe herunter zu stürzen: das ist eine radikale Entscheidung. Das heißt, wie John Berger einmal empfahl, mit der Geschichte zu leben, als sei sie eine geschätzte Begleiterin und kein Totschlaghammer, mit dem man Feinde abwehrt.«

- Renato Redentor Constantino

 

 

 

 

»Wenn wir die Initiative ergreifen, werden wir lachen und weinen. Es gibt uns die Chance Liebe genauso auszudrücken wie Wut. Es beschleunigt das Blut in unseren Adern und befeuert unsere Synapsen. Es eröffnet neue Möglichkeiten, bringt andere Menschen dazu zu handeln und erschafft Verbindungen, die der Kern jeder Veränderung sind.«

- Yotam Marom

 

»Trotz allem ist Schönheit in dieser unserer brutalen und beschädigten Welt. Versteckt, wild, unermesslich. Schönheit, die nur uns zu eigen ist, und Schönheit, die wir von anderen bekommen, aus Gnade, und die wir erweitern und neu erfinden und uns zu eigen machen. Wir müssen sie finden, kultivieren und lieben.«

- Arundhati Roy

 

 

»Es wird oft angenommen, dass ökologisch leben eine besondere Art des Daseins sei, so wie als Mönch oder Nonne. Ich denke, wir leben schon ökologisch, ohne dass es uns bewusst ist. Wir koexistieren gewaltfrei mit nicht menschlichen Wesen, zum Beispiel mit unserer Katze.«

- Timothy Morton

»Ehrlich gesagt, können wir nicht wissen, ob das, was wir tun, genug sein wird. Aber das heißt nicht, dass wir es nicht versuchen können. Wir müssen lernen, nicht so steif zu sein, dass wir wie Kiefern umknicken, sondern uns dem starken Wind anzupassen.« 

- Thelma Young Lutunatabua

Bildnachweise

Titelbild: Englischer Garten in München im Winter: Schlittschuhläufer auf dem Kleinhesseloher See (Januar 1901), Nachlass Wilhelm Conrad Röntgen, Deutsches Röntgen-Museum, Remscheid.

Englischer Garten in München: Monopteros (14.07.1900), Nachlass Wilhelm Conrad Röntgen, Deutsches Röntgen-Museum, Remscheid.

Familie am Biergartentisch in München (1901), Nachlass Wilhelm Conrad Röntgen, Deutsches Röntgen-Museum, Remscheid.

Mit freundlicher Genehmigung des Deutschen Röntgen-Museums.

Die Videostills von Pata Popov aus der Inszenierung »Reigen. Variationen« sind ein Originalbeitrag für die RESI WELT.

Tao Schirrmachers Sammlung. Eisbach Treasures. Aus der gleichnamigen Ausstellung, Haus der Kunst, 26. Juni 2026 bis 7. Februar 2027. Foto: Pablo Lauf.

Tomás Saraceno: When the Llama Drinks from the Stars and the Spider Weaves Cycles of Life, Where the Sky Touches the Earth and Time Expands Like Salt, the Sanctuary of Water Are Fair Clouds on the Horizon, 2025. Aus der Ausstellung »Tomás Saraceno in collaboration. Verwobene Welten«, Haus der Kunst, 17. Juli 2026 bis 7. Februar 2027. © Foto: Studio Tomás Saraceno. 

Mit freundlicher Genehmigung des Haus der Kunst.

Textnachweise

Rebecca Solnit: Umwege. Essays für schwieriges Terrain. Rowohlt Verlag, Hamburg 2025.

Timothy Morton: All Art is Ecological. Penguin Books London 2021. Aus dem Englischen von Katrin Michaels

Maggie Nelson: Freiheit. Vier Variationen über Zuwendung und Zwang. Hanser Berlin 2022.

Donna Harraway: Unruhig bleiben. Die Verwandtschaft der Arten im Chthuluzän. Campus Verlag Frankfurt am Main 2018.

Rebecca Solnit, Thelma Young (Hg.): Not too late. Changing the Climate Story from Despair to Possibility. Haymarket Books, Chicago 2023.

Arundhati Roy: The Cost of Living. Modern Library, New York 1999.