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06.02.2026

Der Filmemacher Klaus Lemke

Klaus Lemke, geboren am 13. Oktober 1940 in Landsberg an der Warthe, gilt als einer der eigensinnigsten und – per Selbstdefinition – anti-intellektuellsten Filmemacher Deutschlands. Er wuchs in Düsseldorf auf und schlug sich nach dem Abitur zunächst mit Gelegenheitsjobs durch. Nach einigen Regieassistenzen in München 1963, unter anderem bei Fritz Kortner, wurde er 1964 Mitarbeiter der Zeitschrift «Film». Im Kontext der «Neuen Münchner Gruppe» um Rudolf Thome, Max Zihlmann, Werner Enke und May Spils drehte er 1965/66 insgesamt sechs Kurzfilme. Als «König von Schwabing», für den «Coolness» ein wichtiges Attribut war, verkörperte er das Lebensgefühl der Münchner Bohème.

Seine ersten beiden Langfilme «48 Stunden bis Acapulco» und «Negresco – Eine tödliche Affäre» (beide 1967) waren Misserfolge, weshalb Lemke begann, für Fernsehanstalten zu arbeiten. Mit seinem ersten Film für den WDR sorgte er 1968 für einen Skandal: «Brandstifter» reagierte unmittelbar auf den Berliner Kaufhausanschlag von Gudrun Ensslin und Andreas Baader, den Lemke persönlich kannte.

Neben dem bewussten Verzicht auf ausgearbeitete Drehbücher und perfekte Inszenierung wurde die Arbeit mit Laiendarstellern zu seinem Markenzeichen – zugespitzt in Lemkes Aussage, er interessiere sich für «richtige Menschen» und ihre Geschichten, die er in seinem direkten Umfeld und «auf der Straße» finde. Ab 1975 drehte Lemke mehrere Filme mit Cleo Kretschmer und Wolfgang Fierek, darunter den Grimme-
prämierten «Amore» (1977/1978). Seine «Guerilla-Taktik», mit kleinem Budget, ohne Gremiensubventionen und ohne professionelle Schauspieler*innen zu drehen, hat er sich über lange Jahre kontinuierlicher Fernseharbeit hinweg erhalten.

Auf dem Filmfest München 2014 widmete ihm Christoph Gröner eine eigene Sonderreihe als Hommage – nachdem Lemke von dem Festival zuvor stets ignoriert wurde. Lemkes folgende Filme feierten dann alle beim Münchner Filmfest Premiere. Die letzten drei Filme entstanden alle in unmittelbarer Umgebung von Lemkes Münchner Wohnung. Klaus Lemke starb am 7. Juli 2022, nur einen Tag nach der TV-Veröffentlichung seines letzten Films «Champagner für die Augen – Gift für den Rest», einer Hommage an den Lebensstil der 1970er-Jahre anhand von Ausschnitten seiner eigenen Werke.